Montag, 7. Dezember 2020

THE STORY OF STUFF - DIE GESCHICHTE DER DINGE



Die amerikanische Aktivistin und Moderatorin Annie Leonard hilft uns mit ihrem ausgezeichnetem Video "The Story of Stuff", den kompletten Konsumkreislauf und die damit verbundenen sozialen und ökologischen Folgen zu verstehen. Der wahre Preis unserer Produkte steht nicht auf dem Preisschild der Verpackung.

Jedes Produkt hat seine eigene Geschichte. Und diese Geschichte ist oftmals viel länger als wir auf den ersten Blick erkennen können. Sie beginnt beim Anbau der Rohstoffe, geht über die Herstellung, den Vertrieb und unseren eigenen Konsum, und endet noch lange nicht im heimischen Mülleimer.



Mehr Informationen bei:
www.storyofstuff.com/

UMWELTSÜNDER E-AUTO?


Solarpanels, Windkraftanlagen und E-Autos – Umwelttechnologien sollen helfen, die Energiewende zu beschleunigen. Doch in GreenTech stecken Metalle wie Kupfer und seltenere mineralische Rohstoffe. Förderländer in Lateinamerika und Asien zahlen für die grüne Wende einen hohen Preis – denn der Abbau von Lithium hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt. Investigative Reportage.
Angesichts der Erderwärmung ist das Gelingen der Energiewende oberstes Gebot. Um eine Abkehr vom Kohlenstoff im Energiesektor zu erreichen, steigen viele Länder auf umweltfreundliche Technologien um; Solarpanels, Windkraftanlagen und natürlich Elektroautos stehen für saubere Mobilität und Umweltbewusstsein.
Doch für die Herstellung von Elektroautos werden große Mengen an Metallen und selteneren mineralischen Rohstoffen wie Graphit, Kobalt oder Lithium benötigt. Auch in Windrädern und Solarpanels stecken Metalle und Seltene Erden. Nach der Abhängigkeit von Erdöl und Kohle begibt sich die Welt in eine Abhängigkeit von Rohstoffen, die der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt sind. Die investigative Reportage nimmt die ZuschauerInnnen mit auf eine Reise zur „dunklen Seite“ der Energiewende. Die Spurensuche führt vom chinesischen Norden über die Salzseen in Bolivien, die Vereinigten Staaten, Norwegen, die Schweiz und Frankreich bis in die Atacama-Wüste in Chile. Die Förderländer zahlen einen hohen Preis dafür, dass die Energiewende in Europa gelingt – denn der Abbau der begehrten Rohstoffe hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt. So paradox es klingt: Weil für klimaneutrale Technologien immer mehr Kohle benötigt wird, gehen die CO2-Emissionen weltweit nicht zurück. Steckt hinter der Energiewende nur ein gigantisches "Greenwashing"? Schaden saubere Energien der Umwelt letztlich mehr als die fossilen Energieträger? Zudem enthüllt die Reportage, dass westliche Regierungen und Unternehmen zahlreiche Expertenberichte über die tatsächlichen Umweltkosten grüner Technologien einfach ignorieren. Denn hinter der sauberen Energie stecken handfeste politische und wirtschaftliche Interessen. So steuert die Welt sehenden Auges auf die nächste Umweltkatastrophe zu. Und der Westen wird immer abhängiger von China als wichtigstem Produzenten mineralischer Rohstoffe und Weltmarktführer bei erneuerbaren Energien.

Montag, 11. Dezember 2017

MIT FRANCHISE IN DEN RUIN



Obi, BackWerk, Alltours, Kamps - große Unternehmen, die nach dem Franchise-Prinzip laufen. Meist ein Erfolgskonzept: Seit 2002 stieg die Zahl der Franchise-Nehmer um rund 75 Prozent. Doch das System bietet auch Raum für schwarze Schafe: Franchise-Geber, die auf Kosten ihrer Vertragspartner Kasse machen wollen. Sie arbeiten mit Knebelverträgen und Klauseln - ohne Rücksicht auf Verluste. Die Reportage zeigt die Tücken des Franchise.

AMAZON - GNADENLOS ERFOLGREICH



Shoppen jederzeit, ohne Bargeld, mit einer riesigen Auswahl an Waren und Dienstleistungen, die genau zu den persönlichen Wünschen passen – das ist der Internetgigant Amazon. Viele Menschen können sich einen Alltag ohne das allumfassende Angebot des Konzerns kaum noch vorstellen. Doch hinter dem erfolgreichen Geschäftsmodell steckt eine beängstigende Datensammlung. Jeder Käufer ist maximal durchschaubar – und damit manipulierbar. Sandra und Alessandro Pülz aus Berlin sind Amazon-Prime-Kunden, genau wie Familie Grieger aus dem Dorf Windeck-Au. Beide Familien sind sogenannte "Heavy User": Ob Zahnpasta, Schulbücher, Geschenke oder Möbel - alles wird bei Amazon bestellt. Auch das abendliche Fernsehprogramm kommt als Stream vom Internetgiganten. Und vor einigen Monaten ist bei Familie Pülz die von Amazon entwickelte künstliche Intelligenz "Alexa" eingezogen. Wie fühlt es sich für die Familien Grieger und Pülz an, für vier Wochen auf die Dienste und Angebote von Amazon zu verzichten? Ein Härtetest für beide Familien. Hart ist auch der Arbeitsalltag für Amazon-Mitarbeiter: monotone Handgriffe und ein schlechtes Arbeitsklima. In einem Videotagebuch hält eine Aushilfe ihre Erlebnisse fest und liefert Blicke hinter die Fassade des erfolgreichen Unternehmens. Weiterhin auf Wachstumskurs Doch der Erfolg von Amazon basiert nicht nur auf gnadenlos effizienten Arbeitsvorgaben für die Mitarbeiter. Andreas Weigend, der ehemalige Chefentwickler und Weggefährte von Amazon-Gründer Jeff Bezos, erklärt die Mechanismen und Strategien, mit denen sich Amazon vom Online-Buchhändler zum zweitwertvollsten Internetkonzern weltweit entwickelt hat. Im Jahr 2016 setzte Amazon gut 14 Milliarden Dollar in Deutschland um - damit sind wir der wichtigste Markt außerhalb von Nordamerika. Und das Unternehmen ist weiterhin auf Wachstumskurs, hat neue Geschäftsfelder im Blick.

Donnerstag, 30. November 2017

CHOLESTERIN, DER GROSSE BLUFF


Die Theorie, dass zahlreiche Herz-Kreislauferkrankungen auf einen hohen Cholesterinspiegel zurückzuführen sind, ist im Laufe der letzten 50 Jahre zu einem regelrechten Dogma geworden. Nur wenige forschten in eine andere Richtung und stießen dabei auf große Widerstände seitens der Pharma- und Lebensmittelindustrie. Die Dokumentation nimmt die Hintergründe unter die Lupe. In den 50er Jahren häuften sich in den USA Herzinfarkte, Tausende erlagen der neuen Volkskrankheit. Vor diesem Hintergrund veröffentlichte Ancel Keys, Physiologe an der Universität von Minnesota, 1953 eine Grafik, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fettsäuren und der Anzahl von Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte. Die Ursache war schnell gefunden: Cholesterin. Später stellte sich heraus, dass Keys gerade die Länder ausließ, die seiner Theorie widersprachen, wie beispielsweise Frankreich, wo trotz des hohen Verbrauchs tierischer Fette verhältnismäßig wenig Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt werden. Obwohl zahlreiche Studien Cholesterin gegenüber anderen Faktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel nur noch als schwachen "Risikomarker" für Herz-Kreislauferkrankungen bewerten, wird weiterhin viel Geld darauf verwendet, Keys' These zu erhärten, dass tierische Fette für Infarkte verantwortlich seien. Wie kommt es, dass sich diese These in der Gesellschaft und in der Medizin so hartnäckig hält, obwohl es an eindeutigen wissenschaftlichen Beweisen fehlt?

Freitag, 23. Juni 2017

DER GROSSE REIBACH



Mit dem Wahlsieg Margaret Thatchers in Großbritannien 1979 und der US-Präsidentschaft Ronald Reagans ab 1981 begann eine "neoliberale Revolution", die den Kapitalismus tiefgreifend verändert hat, indem sie seine sozialen Aspekte immer weiter reduzierte. Diese Ära ging 2007 mit einer Immobilienkrise zu Ende, die die westliche Welt in ein Wirtschaftstief stürzte und eine Zeit ökonomischer und politischer Unsicherheit eröffnete, deren Ende auch 2012 nicht abzusehen ist.

Als Margaret Thatcher in Großbritannien und Ronald Reagan in den USA die Regierung übernahmen, starteten diese beiden überzeugten Anhänger mit Hilfe von Wirtschaftsberatern der mächtigsten Großbanken eine Deregulierungskampagne sondergleichen: Stück für Stück zerschlugen sie alles, was nach der großen Depression 1929 und der Nachkriegszeit geschaffen worden war, um dem Kapitalismus eine soziale Komponente zu geben. Ihre Nachfolger, ob konservativ oder "links", führten diese Politik fort. So bestand ironischerweise die letzte Amtshandlung des Demokraten Bill Clinton im Oval Office in der Unterzeichnung eines Gesetzes, das den Staat völlig entwaffnen und Finanzmärkten endlich erlauben sollte, sich so zu entwickeln, wie es ihnen beliebte.

Das neue Zeitalter führte zu allgemeiner Verschuldung und einem Spekulationskapitalismus, in dem der sofortige Profit verlockender ist als Investition und in dem nicht mehr der einzelne Anleger, sondern die ganze Welt die Risiken trägt. Zwischen Produktions- und Finanzsektor tat sich ein tiefer Graben auf.

Spekulation hatte es im Kapitalismus schon immer gegeben. Doch was früher als Ausnahme galt, wurde nun die Regel. Die weltweite Finanzwirtschaft geriet aus den Fugen: Das Oligopol der Großbanken wurde zum Unsicherheitsfaktor, und mit der neuen Wirtschaftselite wuchs die soziale Ungleichheit. Doch dann riss die Realität die Finanzriesen aus ihren Träumen: im Jahr 2007 implodierte das System.

Die Filmemacher Jean-Michel Meurice und Fabrizio Calvi bieten einen Einblick in das Zusammenwirken jener Mechanismen, die die Finanzwelt in die aktuelle Krise geführt haben.

DER TANZ DER GEIER



Der Neo-Liberalismus in der Wirtschaftspolitik hat im Verlauf der letzten 30 Jahre die Banken immer mächtiger werden lassen. Profit hat oberste Priorität, statt Investitionen bestimmen Spekulationen die Geschäfte. Dabei gerät die Politik immer mehr unter den Einfluss omnipräsenter Finanzmanager. Wird die gegenwärtige Finanzkrise daran etwas ändern?

Geschäftsbanken, Hedgefonds und Versicherungen spielen mit Risiken und Vertrauen, mit wahren und falschen Werten. Derivate werden immer komplexer, Kommissionen steigen ins Unermessliche, und Geldmengen bewegen sich immer schneller um die ganze Welt. Die Gefahr einer Finanzblase steigt. Ob Rohstoffe, Immobilienkredite oder undurchschaubar gewordene Finanzinstrumente - die Spekulanten machen auf der Suche nach Profit vor nichts halt.

Wie konnte sich dieses System durchsetzen, und warum können die Staaten es nicht mehr kontrollieren? Die Antwort scheint nahe zu liegen: Die Bankiers haben die Macht übernommen. In den Vereinigten Staaten etwa ist die "Krake" namens Goldmann Sachs allgegenwärtig und viele Männer und Frauen in Machtpositionen waren oder sind immer noch für diese Bank tätig. Auch in Europa, vor allem in Brüssel, schreiben die omnipräsenten Banken den Staaten ihre Gesetze vor. Und eine Änderung ist trotz globaler Finanzkrise nicht in Sicht.

TOD AUF RATEN



Zwischen Zinserlass und Zwangsräumung: Wie reagieren die verschiedenen europäischen Länder auf die Überschuldung von Privathaushalten? Mit dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 explodierten in den USA die Staatsschulden und die der privaten Haushalte. Doch auch in Europa zwang die Finanzkrise mehr und mehr Privatpersonen dazu, Kredite aufzunehmen. Im Oktober 2016 waren laut „SchuldnerAtlas“ 6,8 Millionen Deutsche verschuldet, mit einer durchschnittlichen Überschuldung von rund 35.000 Euro pro Person. Auch im europäischen Umfeld sieht die Situation kaum besser aus.

In Frankreich nehmen sich laut Experten täglich drei Menschen das Leben, weil sie keinen Ausweg aus der Schuldenspirale finden. Seit der Finanzkrise 2008 sind immer mehr private Haushalte in Europa überschuldet.

Das Phänomen führt zwar längst nicht immer zum Suizid, doch in vielen Fällen ziehen Existenzängste und Schamgefühl eine soziale Ausgrenzung und seelische Störungen nach sich, die schwer zu heilen sind. In einer Gesellschaft des Überflusses, wo sich Versuchung und Frust ständig abwechseln, werden Verbraucher mit immer subtileren und perfideren Methoden zum Geldausgeben angeregt.

Mit der Aufnahme des ersten Kredits beginnt meist das Unglück - doch weil Darlehen als Motor für Konsum und Wachstum gelten, können selbst die riskantesten Kreditformen nur schwer verboten werden.

Welche Lücken hat das Finanzsystem? Welche gesetzlichen Schlupflöcher nutzen Kreditgeber? Und was können Privatpersonen tun, um der Schuldenspirale zu entkommen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Dokumentation, die in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Spanien, Großbritannien und Island gedreht wurde. In einigen dieser Länder ist die Schuldensituation besonders prekär, in anderen wird bereits effizient gegen private Haushaltsüberschuldung vorgegangen. So kann die Vermittlung von finanzieller Allgemeinbildung und Kenntnissen in Haushaltsführung dabei helfen, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Manche träumen gar von einer kollektiven Entschuldung nach dem Vorbild des biblischen Erlassjahres oder der mesopotamischen Könige, die regelmäßig einen generellen Schuldenerlass anordneten, um flüchtige Schuldner in die Stadt zurückzuholen.

Dazu gehört der amerikanische Anthropologe und Occupy-Wall-Street-Mitinitiator David Graeber, der im Dokumentarfilm ebenfalls zu Wort kommt.

WIE GEFÄHRLICH IST DIE DEUTSCHE BANK?



WIE GEFÄHRLICH IST DIE DEUTSCHE BANK?

Im Sommer 2016 platzt über der Deutschen Bank eine Bombe. Der Internationale Währungsfonds bescheinigt ihr, die Bank mit den größten Risiken fürs Weltfinanzsystem zu sein. Das Management der Bank war erschüttert. Erstmals in ihrer Geschichte ist die traditionsreiche Deutsche Bank gezwungen, auf die Öffentlichkeit zuzugehen und um Vertrauen zu werben. Der Dokumentarfilm bietet einen exklusiven Einblick in das Innere der Deutschen Bank und Interviews mit dem Top-Management, darunter der Vorstandsvorsitzende John Cryan. Er zeigt zugleich, was eine Mega-Bank eigentlich ist und tut.

"Gefährlichste Bank der Welt" - titelten die Medien, nachdem der Internationale Währungsfonds die Deutsche Bank als den "bedeutendsten Träger systemischer Risiken" bezeichnet hatte. "Da waren wir in den Schlagzeilen", erzählt Deutsche-Bank-Chef John Cryan, "aus einer Reihe von falschen Gründen." Mit dramatischen Folgen.

Die Bank - ein finanzieller und moralischer Sanierungsfall: Zusätzlich zu den milliardenschweren Altlasten aus kriminellen Geschäften und überbordenden Kosten kam jetzt auch noch die Vertrauenskrise. Erstmals in ihrer langen Geschichte ist die Deutsche Bank gezwungen, öffentlich um Vertrauen zu werben. "Entweder wir verändern die Außenwahrnehmung", erklärt Kommunikationschef Jörg Eigendorf den Führungskräften, "oder die Außenwahrnehmung verändert uns." "Offenheit" und "Transparenz" heißen die neuen Schlagworte, die auch diesen Dokumentarfilm ermöglichten.

Die wichtigsten Manager der Deutschen Bank standen Rede und Antwort, um die Frage zu beantworten: "Wie gefährlich ist die Deutsche Bank?" Der Film bietet einen exklusiven Einblick in das Innere der Deutschen Bank mit noch nie gesehenen Bildern der Firmenzentralen in Frankfurt, London und New York und Interviews mit dem Top-Management, darunter der Vorstandsvorsitzende John Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Die Autoren ziehen Bilanz. Wie weit sind die Aufräumarbeiten gediehen? Welche Altlasten gibt es noch? Wie glaubwürdig ist der Wandel? Vor allem: Welche Zukunft hat die Mega-Bank? Am Beispiel der Deutschen Bank wird deutlich, wie verflochten unser Finanzsystem ist und welche Gefahr damit verbunden ist.

Montag, 20. März 2017

DIE VERMESSUNG DER LUST - QUELLE DER LIBIDO


Der Atem wird schneller. Jede Faser des Körpers ist gespannt. Das Herz galoppiert, bis 120 Schläge pro Minute. Sex ist Leidenschaft, ein Urinstinkt. Ein einzigartiges Phänomen. Forscher wollen wissen: Wie kommunizieren Gehirn und Genitalien dabei?

Weltweit suchen Medizinexperten in unseren Milliarden Nervenzellen nach dem Lustzentrum. Mit Methoden der Hirnforschung, mit kostspieliger Technik wollen die Sexualforscher das Rätsel der Begierde entschlüsseln. Wo im Körper entsteht die Lust auf Sex? Welche Hormone treiben uns beim Orgasmus zur Ekstase? Können wir unseren Trieb in Zukunft manipulieren?

Sophie und Nikolas sind unsere Probanden. Mit dem Paar wollen wir die Geheimnisse des körperlichen Verlangens erkunden. Sie begleiten uns in die Labore der Wissenschaftler. Sex ist für beide ein wichtiger Teil ihrer Beziehung. Für Nikolas beginnt die Leidenschaft nicht erst im Bett, vielmehr im Kopf. Dort sitzt die Quelle der Libido. Sensoren unserer Haut leiten bei Berührung Impulse ins Gehirn. Das wissen die Forscher. Doch welche Hirnregion genau unsere Erregung auslöst, ist noch unbekannt.

Montag, 6. März 2017

JOURNALISMUS VON MORGEN - DIE VIRTUELLE FEDER



Stirbt die Tageszeitung bald aus? Seit etwa 20 Jahren bedroht die digitale Revolution die Papierwelt. Das Business-Modell der Printpresse hat den Boden unter den Füßen verloren. In der Dokumentation erleben die zwei Medienexperten Philippe Kieffer und Marie-Eve Chamard vor Ort, wie führende Verlage, Chefredakteure, Journalisten und Leser darauf reagieren.

Über ein Jahrhundert lang war die Zeitung in allen großen Demokratien das wichtigste Informationsmedium. Aber kurz nach der Millenniumswende hat sich das schlagartig geändert. Heute beobachtet man ein weltweites Zeitungssterben. Immer mehr Nachrichten werden immer schneller verbreitet, inzwischen jedoch über digitale Kanäle wie Websites, Blogs und soziale Netzwerke. Wie kam es dazu? Wie reagieren die großen Verlagshäuser? Hat die Stunde der Roboter und der Algorithmen schon geschlagen, oder wird es noch einen Journalismus mit menschlichem Antlitz geben? Die Fragen, die "Journalismus von morgen" aufwirft, betreffen uns schon jetzt alle.

Um sie zu beantworten, hat der deutsch-französische Filmemacher Pierre-Olivier François in Zeitungsredaktionen in den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Indien recherchiert. Er liefert Erkenntnisse über künftige Formen der aktuellen Berichterstattung, die die morgendliche Tageszeitung schon jetzt grundlegend verändern. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Axel Springer, oder Natalie Nougayrède, ehemalige Chefredakteurin des Pariser Traditionsblatts "Le Monde", fragen sich ganz offen, ob anspruchsvoller Printjournalismus in Zukunft noch Bestand haben wird. Chefredakteure der „International New York Times“ oder Sonderkorrespondenten beim britischen "Guardian" erzählen, wie Twitter und Facebook ihr Leben verändert haben. Der Chef der Nachrichtenagentur Agence France Presse streitet mit einem der berühmtesten deutschen Digitaljournalisten, Wolfgang Blau, in welcher Sprache Artikel heute überhaupt geschrieben werden müssen.

Ebenfalls kommen diskrete Softwareunternehmen zu Wort, die für große Verlage zielgenau den virtuellen Leser analysieren. Philosophen, die sich wegen der aktuellen Zeitungskrisen Sorgen um den öffentlichen Diskurs machen. Und Wissenschaftler, die mit Videospielen und sprechenden Möbeln die Medien von morgen erfinden.

Freitag, 3. März 2017

BIS ZUM LETZTEN FANG - DAS GESCHÄFT MIT DEM FISCH



Seit Jahrzehnten plündert eine Armada von Fangflotten die Weltmeere - mit verheerenden Folgen: Experten schätzen, dass 90 Prozent des Mittelmeers überfischt sind. Die Dokumentation ergründet, wie schlecht es um die Meere steht und welche Folgen der ständig steigende Konsum für die Europäer, aber auch für die Menschen in Afrika und Asien, hat.

Jahrelang waren die Länder der Europäischen Union an der extremen Ausbeutung der Weltmeere beteiligt. Die zuständige EU-Kommissarin Maria Damanaki räumt inzwischen Fehler ein und hat eine Reform auf den Weg gebracht, die diese Entwicklung stoppen soll. Die Dokumentation hinterfragt, was sich in Zukunft verändern soll.

Doch reichen europäische Entscheidungen aus? Ein Großteil des in Europa konsumierten Fischs wird aus Afrika und Asien importiert. In Thailand werden Fisch und Garnelen oft unter katastrophalen Bedingungen gefangen, gezüchtet oder verarbeitet. Nichtregierungsorganisationen berichten immer wieder über Sklaven- und Kinderarbeit.

Auch mit afrikanischen Staaten schließt die EU seit Jahrzehnten Fischereiabkommen ab, um dort fangen zu dürfen. Doch auch hier kommt zu dem legalen der illegale Fischfang hinzu. Experten gehen davon aus, dass der Anteil der Piratenfischerei an der westafrikanischen Küste 40 Prozent des Gesamtfangs beträgt. Das Meer ist dort inzwischen so weit leergeräumt, dass für die kleinen einheimischen Fischer nur wenig übrig bleibt.

Den Filmemacherinnen Jutta Pinzler und Mieke Otte ist es gelungen, die senegalesische Marine auf der Suche nach Piratenfischern zu begleiten. In Thailand konnten sie mit Kindern sprechen, die in der Shrimps-Industrie gnadenlos ausgebeutet werden. Und sie haben Menschen getroffen, die in der Fischindustrie unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen.

Der Dokumentarfilm verfolgt nicht nur den Weg des Fischs auf die Teller der Verbraucher, sondern konfrontiert die Verantwortlichen aus Handel und Politik mit den vielen Missständen beim Fang und der Verarbeitung. Die Antworten sind zum Teil skandalös.

Donnerstag, 2. Februar 2017

RECIPES FOR DISASTER - KEIN ÖL MEHR! ANLEITUNG ZUR KATASTROPHE



Der Dokumentarfilmer John Webster überzeugt seine Ehefrau und seine beiden Kinder, ein Jahr lang auf den Konsum von Erdöl und Erdölprodukten zu verzichten, ohne ihren mittelständischen Lebensstil aufgeben zu müssen. Dieser Enthaltsamkeitsbeschluss mit dem Ziel, zur Weltverbesserung beizutragen, hat ungeahnte Folgen, aus denen ein überaus witziges gesellschaftskritisches Protokoll entstanden ist.

Der Kauf von Hygieneartikeln wie Zahnpasta und Toilettenpapier wird im Supermarkt zum Spießrutenlauf, selbst die Cornflakespackung mit Gratis-Plastikspielzeug erweist sich als ein echtes Problem. Die Familie lernt in diesem Jahr nicht nur, ihre eigenen Werte zu hinterfragen, zugleich werden auch ihre Willenskraft und das Familienglück selbst auf eine harte Probe gestellt.

Sonntag, 7. August 2016

EIN NEUES STADTEXPERIMENT



Ein städtischer Raum für alle: Die Architekten und Stadtplaner Patrick Bouchain und Sophie Ricard experimentieren im französischen Rennes mit einem neuartigen Projekt. In einem ehemaligen Universitätsgebäude organisieren und koordinieren sie eine Vielzahl von Aktivitäten von Bürgern für Bürger. Der Dokumentarfilm erzählt von einem urbanen Abenteuer.

Rennes hat seit kurzem eine neue Oberbürgermeisterin. Der ehemalige Bürgermeister hatte das neue Stadtexperiment unterstützt, das von den beiden Architekten Patrick Bouchain und Sophie Ricard ins Leben gerufen wurde - der neuen Stadtverwaltung ist es ein Dorn im Auge. Die Architekten hatten einige Monate zuvor vorgeschlagen, den Bürgern der Stadt die leerstehende ehemalige Fakultät als Mehrzweckhaus zur freien und kostenlosen Verfügung anzubieten. Die Idee ist scheinbar einfach, die Umsetzung aber komplexer als gedacht: Die Bürger von Rennes sollen das leerstehende Gebäude bei Bedarf für einen bestimmten Zeitraum beliebig nutzen können.

Ein städtischer Ort wird damit zu dem, was die Bürger daraus machen - und die Nachfrage ist groß: Kunststudenten organisieren darin Ausstellungen, Vereine Trainingsangebote für sozial Ausgegrenzte, Feuerwehrleute Erste-Hilfe-Kurse, Psychotherapeuten ihre Gruppentherapien außerhalb des Krankenhauses, angehende Kunstschreiner ihre ersten Werkstätten. In der ehemaligen Fakultät brummt es wie in einem Bienenstock, Architektin Sophie betreut die wechselnde Raumverteilung.

Aber das Programm hat Gegner, denn an der kostenfreien Vergabe eines städtischen Raums ohne Bindung an einen bestimmten Zweck nimmt die neue Stadtverwaltung Anstoß. Romain Breselec, Student der Politikwissenschaften, schreibt seine Diplomarbeit über das "Université Foraine" getaufte Mehrzweckgebäude. Er befragt die verschiedenen Seiten - Befürworter ebenso wie Skeptiker. Zwei Lager, zwei gegensätzliche Ansichten von Stadtentwicklung - wird sich der neue Bürgermeister überzeugen lassen und das Experiment in ein dauerhaftes Projekt umwandeln? Der Countdown für das Projekt hat begonnen ...

Mittwoch, 6. April 2016

BROKEN LAND


Mauern gegen Migration: Dieses Konzept findet nicht nur in Europa Anwendung, sondern auch an der amerikanisch- mexikanischen Grenze. Mitten durch die karge Wüste führt der Grenzzaun, der die beiden Staaten trennt. Als visuelle und politische Metapher zeigt der Film, wie sich die Migrationsproblematik auf die Entwicklung der großen Demokratien der westlichen Welt auswirkt.

Überwachungskameras, die vom Fernsehsessel aus kontrolliert werden, Pistolen im Nachttisch, Wachhunde und abendliche Patrouillen mit Flutlicht und gezückter Waffe im eigenen Garten. Das ist der Alltag, der "way of life", einiger US-Amerikaner, die am Grenzzaun leben, der die USA und Mexiko trennt. Wie die Anwohner mit der Situation der allgegenwärtigen Migrationsproblematik umgehen, ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst: Neben denen, die sich verbarrikadieren, sogar teils als eine Art Bürgerwehr schwer bewaffnet auf Illegalen-Jagd gehen, gibt es auch die, die den "Grenzkrieg", wie sie ihn nennen, ablehnen.

Sie sind die Alltäglichkeit der militärischen Abwehrmaßnahmen und die ständige Überwachung leid. Sie wollen in Frieden und Freiheit leben und haben Verständnis für die Migranten, die den selben Wunsch hegen. Der Dokumentarfilm erzählt aus der Perspektive derer, die auf der begehrenswerten Seite des Zauns leben und lässt US-Bürger zu Wort kommen. Die unkommentierten Aussagen der Interviewten bedürfen keiner journalistischen Bewertung, um die Absurdität der Situation zu verdeutlichen.

Der Film hinterfragt so die Identitätskonzepte und Zukunftsvorstellungen der westlichen Gesellschaft und erforscht die imaginären und tatsächlichen Folgen einer Schutzstrategie, die auch zum eigenen Eingesperrtsein führt. Welche Folgen hat diese Abschottungstaktik für die, denen sie Sicherheit geben soll? Wie beeinflusst sie den Blick auf den Anderen? "Broken Land" ist keine journalistische Analyse, sondern ein philosophischer Streifzug, der einlädt, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen.

DIE ANSTALT - 5. APRIL 2016

Sonntag, 3. April 2016

SCHLEIERHAFT - ÜBER DIE KULTUR DES SCHLEIERS IN EUROPA



Heute finden sich Schleier in der westlichen Welt nur noch als Relikte in Form von Braut-, Witwen- oder Nonnenschleiern. Schleier sowie Kopftuch werden als typische Kopfbedeckung muslimischer Frauen angesehen. Und um den muslimischen Schleier und dessen Symbolgehalte geht es in der Dokumentation.

Babylonische Göttinnen, Damen in der Antike und Madonnen auf mittelalterlichen Gemälden: Seit Menschengedenken verdecken Frauen ihr Haar, verhüllen ihr Gesicht oder den ganzen Körper. Schleier und Kopftücher sind mächtige, urweibliche Zeichen - und sie bilden einen Widerspruch in sich: Sie machen Weiblichkeit sichtbar durch Verhüllung.

In westlichen Gesellschaften haben Schleier heute nur noch symbolischen Wert, als Brautschleier oder Nonnenhauben. Schleier und Kopftücher gelten als typisch islamische Kopf- und Körperbedeckungen. Im europäischen Straßenbild geben sich Kopftuchträgerinnen als Musliminnen zu erkennen. Und gerade bei jungen Frauen sind sie Ausdruck eines gestärkten muslimischen Selbstbewusstseins.

Im Westen lösen diese Kopfbedeckungen heftige Gefühle aus. Sie transportieren die unterschiedlichsten Botschaften in Bezug auf Geschlechterordnungen und Religion, gleichzeitig enthalten sie eine Fülle kultureller, erotischer und modischer Codes. Über das Erscheinungsbild von Kopftuch- und Schleierträgerinnen in der Öffentlichkeit wird im französischen Parlament diskutiert, im deutschen Feuilleton gestritten, in niederländischen Internetforen debattiert. Ganzkörperschleier - die afghanische Burka und der arabische Niqab - stoßen auf strikte Ablehnung. Sogar einfache Kopftücher sind zu Sinnbildern für kulturelle Überfremdung, radikalen Islam, Unterdrückung der Frau im muslimischen Patriarchat und weibliche Unfreiheit schlechthin geworden.

Schleier und Kopftuch waren und sind Inspiration für Kunst- und Kulturschaffende, früher thematisch fokussiert auf erotische und sinnliche Inhalte, heute auf das Spannungsfeld zwischen weiblicher Unfreiheit und Selbstbehauptung. Bis heute sind Schleier Projektionsflächen, für die Starkünstlerin Shirin Neshat ebenso wie für den Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk.

Die Dokumentation spürt die höchst komplexen Bedeutungsebenen hinter den Zeichen auf. Sie fragt aus deutscher und französischer Sicht, welche Rolle sie bei der Interpretation von Weiblichkeit spielen, welche realen und eingebildeten Gefahren von diesem Stück Stoff ausgehen, und warum der Schleier trotz allem seine Faszination und Magie bewahrt.

Mittwoch, 30. März 2016

DIE GROSSE STROMLÜGE


Frost und Kälte fordern auch in Europa noch immer Todesopfer. In den letzten Jahren wurde eine längst überwunden geglaubte Gefahr wieder aktuell: Vielen Menschen fehlt das Geld, um ihre Wohnungen angemessen zu beheizen. "Günstigere und umweltfreundlichere Energie" hatten die EU-Mitgliedstaaten einst versprochen. Warum sind die Stromrechnungen noch immer so hoch?

Durch steigende Strompreise sind viele Privathaushalte in der EU überlastet: In Spanien betrifft dies sogar ein Drittel der Bevölkerung. In Italien konnten im Jahr 2015 fünf Millionen Familien ihre Stromrechnung nicht begleichen, in Deutschland waren es sieben und in Frankreich sogar acht Millionen Menschen. "Günstigere und umweltfreundlichere Energie" hatten die EU-Mitgliedstaaten vor 20 Jahren versprochen. Doch was ist aus der vielversprechenden Idee eines gemeinsamen und transparenten Energiemarkts geworden?

Zahlt der Verbraucher für jahrelange politische Fehlentscheidungen? In Deutschland hat man zwar den Atomausstieg beschlossen, muss aber dennoch auch weiterhin Braunkohletagebau betreiben, was nicht nur zulasten der Umwelt geht, sondern Zwangsumsiedlungen ganzer Ortschaften zur Folge hat.
In Spanien leisteten Tausende Bürger mit Investitionen in eigene Solarstromanalagen einen Beitrag zum energetischen Wandel. Die Regierung hatte versprochen, ihnen den Strom zu fairen Preisen abzunehmen. Einige Jahre später überlegte sie es sich anders und sorgte so für eine Rekordverschuldung.

In Frankreich hat das ehemalige Staatsunternehmen Electricité de France (EDF) bis heute eine Monopolstellung inne. Dies verstößt nicht nur gegen den freien Wettbewerb in der EU, sondern verwehrt Tausenden Franzosen, die gerne ihre eigene Energie produzieren würden, die Loslösung vom staatlichen Netzbetreiber.

Der Dokumentarfilm durchleuchtet die verschiedenen Versprechen, die im Namen eines liberalen europäischen Energiemarkts gemacht wurden, und analysiert die Hintergründe für das Scheitern dieser europäischen Vision.

Montag, 7. März 2016

ICH WEISS, WER DU BIST - AUF DEM WEG ZUR ALLSEHENDEN GESELLSCHAFT



Internetkonzerne kennen unsere politische Einstellung, unser Konsumverhalten und unsere Kreditwürdigkeit. Was aber, wenn nicht nur Google, Amazon und Facebook all das von uns wüssten, sondern jeder Passant auf der Straße? Die Dokumentation "Ich weiß, wer Du bist" behauptet: Dieses Szenario ist keine Zukunftsmusik, sondern steht uns unmittelbar bevor.

Internetkonzerne kennen unsere sexuellen Neigungen, unsere politische Einstellung, unser Konsumverhalten und unsere Kreditwürdigkeit. Sie wissen, mit wem wir befreundet sind, wo wir arbeiten und welche Bücher und Filme wir mögen. Was aber, wenn nicht nur Google, Amazon und Facebook all das von uns wüssten, sondern jeder Passant auf der Straße? Was, wenn ein einziger Blick genügte, um all jenes über einen Menschen zu erfahren, was das Netz über ihn weiß? Wenn es eine Datenbrille gäbe, die uns beim Spaziergang durch eine Fußgängerzone unfassbar viel über unsere Mitmenschen wissen ließe? Einfach indem sie Gesichter erkennt und diese Gesichter den zugehörigen Informationen im Netz zuordnet?

Die Dokumentation "Ich weiß, wer Du bist" behauptet: Dieses Szenario ist keine Zukunftsmusik, sondern steht uns unmittelbar bevor. Gesichtserkennende Maschinen, smarte Brillen und Datenmusterkennung heißen die drei Technologien, die für eine solche Brille benötigt werden und die es heute bereits gibt. Sie müssen nur noch zusammengefügt werden.

Der Internet- und Fernsehjournalist Mario Sixtus besucht deshalb in "Ich weiß, wer Du bist" Visionäre wie Sebastian Thrun, den Entwickler der Google Glass, Forscher wie Vesselin Popov von der Universität Cambridge sowie Unternehmer wie Erki Kert von Big Data Scoring und zeigt ihre Arbeit. Wie gut funktionieren Datenbrillen, Gesichts- und Datenmustererkennung tatsächlich? Wie lange wird es noch dauern, bis wir alle eine allsehende Brille kaufen können? Und vor allem: Was bedeutet das für unser auf Anonymität beruhendes Zusammenleben in der Großstadt, wenn wir auf einmal mit den Kontoständen, Chat-Dialogen und Neurosen unserer Mitmenschen konfrontiert werden?

"Ich weiß, wer Du bist" eröffnet gemeinsam mit der Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff, dem Futurologen Ludwig Engel und dem Kulturwissenschaftler Michael Seemann die Debatte darüber, wie wir der Herausforderung eines drohenden Zusammenlebens ohne Privatsphäre begegnen wollen, und untersucht, welches utopische Potenzial in einer allsehenden Gesellschaft steckt.

Mittwoch, 2. März 2016

DIE REVOLUTION DER SELBSTLOSEN


Immer mehr Wissenschaftler stellen die pessimistische Sichtweise der menschlichen Natur infrage. Psychologen, Neurowissenschaftler und Primatenforscher haben herausgefunden, dass Altruismus und die Fähigkeit zur Kooperation durchaus grundlegende, angeborene Wesenszüge des Menschen sind ...

Selbstbezogenheit, Materialismus und Geldgier beherrschen unsere moderne Gesellschaft. Aber gehört es nicht vielleicht doch zur menschlichen Natur, selbstlos zu sein, also uneigennützig im Interesse von anderen zu handeln? Seit rund 20 Jahren widerlegen Forschungsergebnisse - wie etwa die des Katastrophenforschungszentrums von Delaware - die These von einem universellen Egoismus. Psychologen, Neurowissenschaftler und Primatenforscher fanden heraus, dass sogenanntes prosoziales Verhalten wie Mitgefühl, Altruismus, Hilfsbereitschaft und die Fähigkeit zur Kooperation zu den fundamentalen Eigenschaften des Menschen zählen.
Sylvie Gilman und Thierry de Lestrade haben Wissenschaftler bei ihren Forschungsarbeiten begleitet: Ausgangspunkt sind entwicklungspsychologische Studien, die bereits im Babyalter ansetzen und das Bild eines Menschen zeigen, der hochgradig kooperativ ist: Nach Studien der Universität Yale verfügen Babys bereits in den ersten Lebensmonaten über ein moralisches Urteilsvermögen, eine Art Gerechtigkeitssinn und zeigen spontan altruistische Verhaltensweisen.

Angesichts der weltweiten Herausforderungen, die nach radikalen Veränderungen rufen, stellt sich die Frage, ob und wie diese positiven Charaktereigenschaften des Menschen gefördert werden können. Könnte man Selbstlosigkeit womöglich sogar üben? Unermüdlicher Botschafter dieser Überlegung ist der studierte Molekularbiologe Matthieu Ricard. Der buddhistische Mönch studiert mit Hirnforschern die Wirkung von Meditation auf das Gehirn - mit Erfolg. Zahlreiche Experimente zum Geistestraining weisen nach, dass die individuelle Wandlung möglich ist. Meditationsübungen an Schulen in Problemvierteln zeigen bereits überraschende Erfolge im Sozialverhalten und im Kampf gegen Aggressionen. Längerfristig besteht das Ziel darin, eine breitere Bewegung auch über den Bildungs- oder Gesundheitssektor hinaus anzustoßen.

Manche Ökonomen setzen große Hoffnungen in die Wandlungsfähigkeit unserer Gesellschaft. So haben sich Wirtschaftsexperten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein neues Thema auf die Fahne geschrieben: Achtsamkeit. Seinen Geist der Güte zu öffnen und sich in humanitären Projekten zu engagieren, ist aus ihrer Sicht eine Win-win-Situation, die auch für die moderne Wirtschaft keine Utopie bleiben soll.