Die weltweiten Getreidevorräte reichen gerade einmal für 37 Tage, obwohl die Versorgung nach offiziellen Vorgaben 60 Tage lang gewährleistet sein muss. Warum ist das so? Der Anstieg der Rohstoffpreise, die Verknappung landwirtschaftlicher Nutzflächen, der Einsatz pflanzlicher Grundstoffe zur Herstellung von Biotreibstoff, und auch die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten aufstrebender Volkswirtschaften wie Indien und China haben die Welt in eine tiefe Nahrungsmittelkrise gestürzt, die offenbar außer Kontrolle zu geraten droht.
Die Filmemacher haben in Europa nachgeforscht und Meinungen von Experten der Welternährungsorganisation FAO zum aktuellen Ungleichgewicht der Märkte eingeholt. Sie haben sich in den ländlichen Regionen Argentiniens und der USA umgesehen, den beiden größten Produzenten von Biotreibstoff und Befürwortern genmanipulierter Pflanzen. Und sie sind nach China gereist, um nachzufragen, wie die dortige Regierung die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung sichern will. Denn Chinas Bedarf an Getreide entspricht schon heute der gesamten Weltproduktion. Peking betreibt ein Wettrennen gegen die Zeit, mit dem Ziel, immer schneller immer mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Ein Spiel mit hohem Einsatz, bei dem es um die Zukunft und das Gleichgewicht des gesamten Planeten geht.
Der inszenierte Hunger ist eine Dokumentation von Jihan El-Tahir über Getreidehilfslieferungen aus Europa und USA nach Zambia. Inhalt: "Seit mehr als zwanzig Jahren wird Getreide nicht (nur) dort hingebracht, um Bedürftigen zu helfen, sondern um die Produktionsüberschüsse der hoch subventionierten Bauern in den USA, Kanada und Westeuropa abzubauen. In den USA z.B. darf mit den Finanzhilfen für die Hungerbekämpfung nur US-amerikanisches Getreide gekauft und dann per Schiff dort hin gebracht werden. Für das gleiche Geld könnte man vor Ort auch doppelt so viel Getreide kaufen, weil die Preise niedriger sind und die langen Transportwege wegfallen würden. Dazu kommt, dass US-amerikanisches Getreide größtenteils genverändert und teilweise patentiert ist, aber wehe die Hilfslieferungen werden abgelehnt.
Die Dokumentation wurde auf ARTE ausgestrahlt und erhielt den Medienpreis Entwicklungspolitik.
Der Film erklärt, wie mit Nahrungsmitteln spekuliert wird, welche Gefahren es birgt und was deshalb geschehen muss.
Mehr Informationen: http://www.weed-online.org
Trotz allen Fortschritts ist es bis heute nicht gelungen, den Hunger auf der Welt zu besiegen. Noch immer leidet ein Sechstel der Erdbevölkerung unter Mangelernährung. Dabei wäre Nahrung für alle da, meint die Filmemacherin Marie-Monique Robin. Ihr Dokumentarfilm zeigt, dass eine ökologische Landwirtschaft ausreichend Nahrung für alle Menschen bereitstellen könnte.
Ein Sechstel der Weltbevölkerung leidet gegenwärtig Hunger. Aber das ist kein unabwendbares Schicksal. Anhand von Beispielen aus Mexiko, Japan, Malawi, Kenia, Senegal, den USA und mehreren europäischen Ländern veranschaulicht Filmemacherin Marie-Monique Robin, dass radikales Umdenken gefordert ist und dass die Lebensmittelkette anders verwaltet und organisiert werden muss - und kann, um dem Hunger in der Welt Abhilfe zu schaffen.
Mittlerweile beweisen weltweit aktive Initiativen, dass ökologische Landwirtschaft, die umweltgerecht und ressourcenschonend verfährt, nicht nur möglich, sondern auch ertragreicher ist als die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln. Voraussetzung dafür ist allerdings auch, dass den Bauern - und nicht nur den Großproduzenten unter ihnen - wieder eine Schlüsselrolle in der für die Zukunft der Menschheit unabdingbaren Entwicklung zugebilligt wird.
Die Nahrungsmittel werden knapper, weltweit steigt der Hunger nach Anbauflächen.
Reiche, global agierende Investoren gegen lokale, arme afrikanische Bauer. Landwirtschaft als neuer Investitions- und Wirtschaftsfaktor und zu Lasten der Menschen. Denn was auf afrikanischem Boden wächst, wird meist ausnahmelos exportiert. Land und Boden werden als neue sichere Anlagewerte verstanden, die nicht von Aktienkursen abhängen ... .
Im Jahr 1996 gestattete die UNO dem vom Krieg zerstörten Irak, eine begrenzte Menge Öl zu verkaufen, um die seit 1990 unter dem Embargo leidende Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen.
Im Jahr 2004 beschrieb dann eine irakische Tageszeitung, dass im Rahmen dieser Geschäfte für zahlreiche Personen und Unternehmen Schmiergelder geflossen seien.
Der Dokumentarfilm von Rémy Burkel und Denis Poncet geht diesen Vorwürfen nach.
Im Rahmen des 1996 von der UNO aufgelegten Hilfsprogramms "Öl für Lebensmittel" durfte der Irak eine begrenzte Menge Erdöl unter UN-Kontrolle ausführen und vom Erlös Nahrungsmittel und Medikamente für die seit 1990 unter dem Embargo leidende Bevölkerung kaufen. Dabei flossen in knapp sieben Jahren etwa 100 Milliarden Dollar.
Doch im Januar 2004 deckte eine irakische Tageszeitung einen Skandal auf. Sie veröffentlichte eine Liste von Personen und Unternehmen, die Schmiergelder aus den Mitteln des Hilfsprogramms erhalten haben sollen. Die daraufhin diskret von der UNO eingesetzte und nach ihrem Vorsitzenden Paul Volcker benannte Untersuchungskommission legte im Jahr 2005 einen aufschlussreichen Bericht vor, der circa 2.500 beschuldigte Einzelpersonen und Unternehmen aus 30 Ländern nannte. Dennoch gab es kaum Ermittlungsverfahren oder gar Prozesse. Die Filmemacher Rémy Burkel und Denis Poncet haben versucht, die einzelnen Etappen des Skandals nachzuvollziehen. In Dubai, Amman, Paris, Berlin, New York und Genf trafen sie zahlreiche direkt und indirekt Beteiligte dieses beispiellosen Ölbetrugs. Dazu zählen Botschafter, ehemalige Geheimdienstler, Journalisten, UNO-Beamte, Vermittler, Anwälte, Geschäftemacher, Politiker und irakische Ärzte.
Der Film verdeutlicht, wie das Hilfsprogramm einer so mächtigen internationalen Institution wie der UNO laut Presseaussagen zur größten Korruptionsaffäre der Neuzeit werden und dennoch überall schnell wieder in Vergessenheit geraten konnte.
Die Dokumentation zeigt auf, dass die weltweite Krise das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung ist, die nur am Wohlergehen der Industrieländer orientiert war.
Jahrelang versprachen die reichen Länder vollmundig, die Entwicklungshilfe wenigsten auf 0,7 Prozent des jeweiligen Bruttosozialproduktes anzuheben, geschehen aber ist nichts. Im Gegenteil: Viele Länder haben ihre Leistungen sogar noch gekürzt. Gleichzeitig wurden über die Welthandelsabkommen die Regeln so verändert, dass viele Produkte aus Entwicklungsländern so gut wie keine Chance auf dem Weltmarkt haben. Und so muss derzeit der Agrosprit als Sündenbock herhalten, ein problematisches Produkt, mit dem aber Entwicklungsländer gutes Geld verdienen können.
In teilweise erschütternden Aufnahmen berichtet Petra Schulz aus den verschiedensten Regionen der Welt über die Ärmsten der Armen. Ihre Analyse belegt sie mit Beispielen aus Burkina-Faso, Ecuador, China oder Manila, wo die "Müllmenschen" den Abfall von Fast-food-Ketten durchwühlen, um das gefundene Gammelfleisch entweder selbst zu essen oder für 12 Cent sogar noch weiterzuverkaufen. In Interviews kommen unter anderen Prof. Klaus Töpfer (ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der UN), Marita Wiggerthale (Agrarexpertin der Hilfsorganisation Oxfam) und Erich Stather (Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) zu Wort. Alle Experten kommen zu demselben Ergebnis: Die gegenwärtige Ernährungskrise ist alles andere als überraschend, sie hat sich seit Jahren abgezeichnet.
Keine wirtschaftliche Tätigkeit ernährt so viele Menschen und erweist sich als so ausschlaggebend für das soziale Gleichgewicht vieler Länder wie der Reisanbau. Für fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis das Grundnahrungsmittel. Er ist die Voraussetzung für die weltweite Nahrungssicherheit. Diese Getreideart, die 15 Prozent der anbaufähigen Erdoberfläche einnimmt, kann politische Sicherheit gewähren oder den Sturz von Regierungen mitbewirken.
Im Frühjahr 2008 geschah etwas nie Dagewesenes. Innerhalb weniger Monate stieg der Reispreis um das Sechsfache. Das wirkte sich besonders auf die ärmsten Staaten der Welt aus. In rund 40 Ländern kam es zu Protestkundgebungen bis hin zu Hungerrevolten. Radio- und Fernsehsender lösten mit der pausenlosen Wiederholung der Worte "Knappheit" und "Hungersnot" eine wahre Hysterie aus. Überall wurde befürchtet, dass die Reisversorgung nicht mehr gesichert sei. Von diesem Ereignis ausgehend, untersucht der Dokumentarfilm die Bedeutung des Reises für die Welternährung und gewährt Einblicke in die Hintergründe des weltweiten Reismarktes.
Das Filmteam hat den Weg des Reises verfolgt. In Bangkok sind die wichtigsten Reisproduzenten und -exporteure aktiv, in Genf werden die Preise ausgehandelt und in Afrika wird der Reis verzehrt. Auch Spekulanten und korrupte Staaten, die zur Reiskrise beitrugen, werden im Film ausfindig gemacht. Außerdem geht es um die Frage der Selbstversorgung und um das Pachten oder Ankaufen von landwirtschaftlichen Gebieten durch reiche Länder, das sogenannte "Land Grabbing".
Filmemacher Jean Crépu versucht zu klären, was wirklich im Frühjahr 2008 geschah, wer die Panik auslöste und wer davon profitierte, aber auch welche Lehren aus den Ereignissen gezogen und welche Entscheidungen gefällt wurden.
Ausgezeichnete Dokumentation aus dem Jahre 2007 als nachdrückliches
Dokument menschlicher Grausamkeit, aber auch des Versagens der
Staatengemeinschaft.
Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst sucht der ehemalige US Marine Brian Steidle nach einer neuen Aufgabe. Im Internet stößt er auf eine Anzeige, in der die "Afrikanische Union" einen Militärbeobachter für den Sudan sucht. Steidle erhält den Job und fliegt nach Darfur. Nicht ahnend, was ihn erwartet, muss er mit ansehen, wie im Auftrag der dortigen Regierung ein systematischer Völkermord betrieben wird. Dörfer werden niedergebrannt und deren Einwohner vergewaltigt, als Geiseln genommen, bei lebendigem Leibe verbrannt oder erschossen. Doch er darf nicht eingreifen. Als Militärbeobachter sind ihm die Hände gebunden. Frustriert kehrt er in seine Heimat zurück, um Presse, Regierung und Behörden zu informieren.
Der Film "Hunger" erzählt, wie Menschen, Gruppen und Organisationen darum ringen, eines der schlimmsten sozialen, politischen und ökonomischen Probleme unserer Tage zu lösen: den Hunger in der Welt. In fünf Ländern stellen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Frage, wie Menschen mit dem Hunger leben, und warum so viele Konzepte der Entwicklungspolitik versagt haben. Von Haiti, wo die mittellosen Bauern mit den Zauberworten Freihandelspolitik und Strukturanpassung gelockt wurden, bis nach Kenia, wo ganze Landstriche seit Jahren von Lebensmittelhilfe abhängig sind.
Man kennt das Bild mittlerweile. Ein Boot voller Menschen am Touristenstrand auf Gran Canaria. Sie schleppen sich durch den Sand, halb verhungert, bleiben einfach liegen und schauen auf die unter Sonnenschirmen liegenden Touristen. Sie sind Boten eines explosionsartigen Bevölkerungs-wachstums, das zu 95 Prozent in den Entwicklungsländern stattfindet. Sie zahlen ein Vermögen, um auf überfüllten Fischerbooten in eine Welt überzusetzen, die sie nicht kennen, aber von der sie wunderbare Dinge gehört haben. Unvorstellbaren Reichtum glauben sie dort zu finden, und Glück. Was aber treibt Menschen dazu, ihre Familien und ihre Heimat zurückzulassen und ihr Leben für eine ungewisse Zukunft zu riskieren?
Warum ist die Bekämpfung von Hunger so schwierig? Fakt ist: Es werden zehn Prozent mehr Lebensmittel produziert als man benötigt, um alle Menschen satt zu bekommen. Marcus Vetter und Karin Steinberger sind in fünf Ländern auf Spurensuche gewesen: Was sind die Gründe für Hunger?
Mauretanien ist für viele Afrikaner das Tor zur Welt – d. h. Europa. Tausende versuchen von der Hafenstadt Nouadhibou aus vor dem Hunger zu fliehen. Für viele ist es eine Flucht in den Tod. In Kenia verdursten im Schatten der Touristenhotels die Menschen, weil die reichen Wasservorkommen kanalisiert wurden, um zum Beispiel die riesigen Rosenplantagen zu bewässern. Die Blumen sind für europäische Großmärkte bestimmt. Deshalb glaubt eine junge Kenianerin, dass in Europa paradiesische Zustände herrschen.
In Indien versuchen Kleinbauern mit geringem Erfolg mit gen-manipuliertem Reis zu überleben. In Brasilien stellen Bauern längst die Bewohner der Favelas an der Peripherie der Großstädte. Brutal durchgesetzte Monokulturen der Großunternehmen haben ihnen die Lebensgrundlage entzogen. Auch noch ein halbes Jahr nach dem schweren Erdbeben auf Haiti, gehört Hunger zum Alltag der Menschen.
An fünf Beispielen dokumentieren Marcus Vetter und Karin Steinberger in ihrem Film Hunger in der Welt: Dabei haben sie auf die üblichen Bilder von hungernden afrikanischer Kinder verzichtet, sondern machen Hunger als Symptom einer globalen Krise deutlich. Für bloße Betroffenheit ist es inzwischen zu spät.
Mit ihrer Dokumentation „Hunger“ ist Karin Steinberger und Marcus Vetter inhaltlich und formal ein vorzüglicher Film gelungen, der unsentimental von Verlusten berichtet, aber auch Perspektiven aufzeigt.