Mittwoch, 7. Januar 2015

SCHROTT IM KÖRPER



Plötzlich senden implantierte Defibrillatoren tödliche Elektroschocks aus oder sie explodieren sogar im Körper. Künstliche Hüftgelenke brechen, Prothesen sondern toxische Metall-Ionen ab. Brustimplantate, gefüllt mit Industriesilikon, reißen, und die giftige Füllung verteilt sich im Körper. Die betroffenen Patienten müssen unnötige Folge-Operationen über sich ergehen lassen.

Der deutsche Journalist Dagobert Lindlau bekam fehlerhafte Schockgeber für sein Herz. Die Französin Christine Terrade ist eine von vielen Opfern, denen Brustimplantate mit giftigem Industriesilikon eingesetzt wurden. Wie viele andere Patienten fragt sie nach den Gründen, sucht Verantwortliche und Gerechtigkeit. 

Bei Hüftprothesen gibt es Serien, die jahrelang eingesetzt werden. Und Hunderte, ja Tausende Patienten müssen nach dem Bruch ihrer mangelhaften Prothese erneut operiert werden und wiederholt mühsam das Gehen lernen. Folgekosten für die Krankenkassen rund 100.000 Euro pro Fall. Dass die Prothesen-Serie kaum klinisch getestet wurde, sie gar nicht auf den Markt hätte kommen dürfen, dass der behandelnde Arzt leider nicht wusste oder nicht wissen wollte, wie schlecht sie ist - das alles erfährt der Patient nicht. Immerhin hat er überlebt. Was bei Patienten mit defekten Defibrillatoren nicht immer der Fall ist. 

Meldungen über Probleme mit Medizinprodukten erreichen die Kliniken oft viel zu spät. Solange der Hersteller sein Gerät nicht selbst vom Markt nimmt, geschieht nichts. Nachweislich verschwanden in mehreren Fällen die mangelhaften Medizinprodukte, Beweisstücke für eventuell später stattfindende Schadensersatzklagen. auf mysteriöse Art und Weise nach der Explantation. 

Die Filmemacher zeigen, wie simpel es ist, ein wirkungsloses und nachweislich schädliches Implantat europaweit zugelassen zu bekommen. Seit Jahren verhindern Lobbyisten im Auftrag der Hersteller europaweit gültige Neuregelungen und Gesetze. Netzwerke werden geknüpft und Millionenbeträge an Ärzte und Fachzeitschriften für positive Berichterstattung gezahlt. Die zuständigen Behörden sind machtlos. Sie können nur Empfehlungen aussprechen. 

Gemeinsam mit einer Fachjournalistin aus London, einem "New York Times"-Reporter sowie einigen Anwälten aus Deutschland, Frankreich und Amerika ermöglichen Dorina Herbst und Jens Niehuss dem Zuschauer einen tiefen Einblick in das Business mit den Medizinprodukten. Sie decken Missstände fragwürdiger Geschäftspraktiken auf. Erschreckend: Um das Wohl der Patienten geht es dabei selten.

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